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Friedenspfad

Little Big Soldier

Rezension von Christina Wittkop vorlesen lassen

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Little Big Soldier

Man könnte nahezu jede Rezension eines Jackie Chan Films seit „Jackie Chan ist Nobody“ („Wo shi shei“, Regie: Benny Chan und Jackie Chan, Hongkong 1998) damit beginnen, dass Chan älter und die Action etwas weniger spektakulär geworden ist, bis man bei den heutigen Filmen ankommt, in denen der Schauspieler nur noch gelegentlich sein akrobatisches Können zeigt. Das soll an dieser Stelle nun zum letzten Mal der Fall sein, da der Umstand altbekannt ist.
Chans nach eigener Angabe 99. Film „Little Big Soldier“ ist ein Herzensprojekt des Hongkong-Chinesen, an dem er seit 20 Jahren gearbeitet hat, bis es zwischen den vielen anderen Filmen endlich realisiert werden konnte. Chan verkörpert im China der „Streitenden Reiche“ einen einfachen Soldaten der Liang, welcher als einziger eine Schlacht überlebt. Mehr zufällig fällt ihm der gegnerische General in die Hände, den er sogleich gefangen nimmt. Chan will den General zum Herrscher der Liang bringen, um ihn auszuliefern. Er erhofft sich dadurch genügend Wohlstand, um auf einem eigenen Stück Land als friedlicher Bauer leben zu können. Während der Reise muss er jedoch feststellen, dass der Weg unerwartete Gefahren bereit hält. Darüber hinaus ist ihm eine Gruppe gegnerischer Soldaten auf den Fersen, die ihren General befreien wollen.

Jackie Chan verkörpert in „Little Big Soldier“ eine Figur, die dem klassischen Rollentypus des einfachen Mannes entspricht, der zwischen die Fronten gerät. Während er in seinen rasanten Actionfilmen die widrigen Umstände bekämpft, sofern ein diplomatischer Ausgleich nicht möglich ist, versucht er hier, jeglicher Konfrontation aus dem Wege zu gehen. Ein falscher Pfeil ermöglicht es ihm, sich im Kampfgetümmel tot zustellen, um das kriegerische Treiben zu überleben. Auf seinem Weg nach Liang versteckt er sich, sobald irgendwelche Reiter auftauchen, und nimmt schließlich kleine Nebenstrecken, um möglichst heimlich unterwegs zu sein. Auseinandersetzungen zwischen Menschen sollen möglichst weit entfernt von ihm ohne Little Big Soldier seine Beteiligung stattfinden. Zur bitteren Realität des Krieges gehört es aber, dass die Brutalität des Kampfes nicht vor denen halt macht, die sich lieber friedlich zurückziehen wollen. So sehr sich Chan auch den Konfrontationen zu entziehen sucht, sie holen ihn teilweise auf absurde Weise immer wieder ein, so dass es unvermeidlich ist, zumindest trickreich für das eigene Überleben zu sorgen. Das geschieht aber nicht durch kämpferische, sondern mit Hilfe listenreicher Mittel. Während einer Gefangenschaft durch wilde Horden befreien sich Chan und der General, die nun plötzlich im selben Boot sitzen, mit einem geschickten Manöver. Bevor sie jedoch eine aussichtslose Flucht beginnen, sorgen sie dafür, dass auch die anderen Gefangenen frei kommen, um im Getümmel ihre Chance zu finden.

Der kreative Umgang mit dem jeweiligen Handlungsort gehört seit jeher zum Markenzeichen Chans. Das setzt er auch hier perfekt ein, da überbordende Action dafür nicht nötig ist. An ihre Stelle tritt die Bauernschläue eines auf Frieden bedachten Mannes, dessen einfacher Wunsch nach Ruhe ihn immer wieder listige Auswege finden lässt. Insofern ist „Little Big Soldier“ ein typischer Jackie Chan Film, wenn auch mit etwas veränderten Vorzeichen. Das ermöglicht ihm, über die Schwierigkeit des Friedens zu reflektieren, der in einer Welt chaotischer Aufruhr nur schwer zu finden ist. Die fintenreichen Manöver Chans, der zwischendurch auch einfach mit Steinen wirft, um seine Gegner in die Flucht zu schlagen, oder in prekärer Situation eine Rede über die Unnötigkeit des Kampfes anstimmt, untergraben die nur auf den Kampf ausgerichtete Strategie der Gegner. Sein Erfolg mit absurden Mitteln führt die Kampfesstrategie der anderen ad absurdum. Chans Überleben vermittelt seinen Gegnern ihre eigene Ohnmacht, so dass der Film mit zunehmendem Verlauf den Charakter einer Kriegssatire bekommt. Dank des wendungsreichen Drehbuches gelingt es Regisseur Sheng Ding auf perfekte Weise, die unfreiwillige Auseinandersetzung zwischen den beiden Polen Krieg und Frieden hervorragend zuzuspitzen, bis das Geschehen schließlich eine tragisch-bittere Note bekommt. In einer kleinen Szene geht Chan dann auch noch mal aufs Ganze und präsentiert eine kleine Actioneinlage mit wunderbarer, grotesker Choreographie. Eine eingestreute Nummer für die Fans der ersten Tage.

Bildqualität

Little Big Soldier

Das Bild der Bluray fällt gut aus, ohne optimal zu sein. Die Schärfe leistet sich kleine Schwächen, da der Detailreichtum in vielen Totalen die Möglichkeiten einer Bluray nicht ausschöpft. Das liegt vermutlich zu einem gewissen Teil an der digitalen Farbbearbeitung, welche dem Film, eine leicht erdige Optik gibt. In Nahaufnahmen fällt das weniger in Gewicht, die Konturen überzeugen. Das visuelle Konzept des Films mit seinen etwas entsättigten Farben wurde gut auf die Bluray übertragen, der ausgewogene Kontrast sorgt für eine sehr gute Differenzierung der unterschiedlichen Bildelemente. Störende Rauschmuster oder analoge Defekte sind nicht vorhanden.

Tonqualität

Die DTS-HD-5.1-Tonspuren leisten sich demgegenüber gar keine Schwächen. Immer wenn es angesichts des Geschehens auf der Leinwand angebracht ist, sorgen entsprechende Effekte aus allen Lautsprechern für eine gute räumliche Atmosphäre. Bei den kleinen eingestreuten Actionszenen wird der Ton dann auch dynamisch druckvoll. Die Musik nutzt ebenfalls alle Boxen. Die Dialoge wurden gut mit der restlichen Tonkulisse abgemischt, so dass sie nicht übertönt werden.

Extras

Das etwa 25minütige Making Of ist keines, es besteht vielmehr aus einer Vielzahl kurzer, zu Werbeausstrahlungen im Fernsehen produzierten Beiträge zwischen ein paar Minuten und etwa 30 Sekunden Länge. Entsprechend gering ist der Informationsgehalt. Inhaltsangabe dominiert, dazu gesellen sich ein paar amüsante B-Roll-Szenen vom Set. Mit zunehmender Anzahl der Beiträge nehmen auch die Wiederholungen zu. In dieser ungefilterten Form überflüssiges Bonusmaterial.
Sehr gut ist hingegen der knapp 24minütige Beitrag „Jackie Chan goes Berlinale 2010“. Darin äußert sich Chan über die Entstehungsgeschichte des Films. Darüber hinaus ist sein Bühnenauftritt bei der Premiere des Films in Berlin zu sehen.
Eine Bildergalerie und der Trailer sind auf der Bluray ebenfalls enthalten.

Fazit

„Little Big Soldier“ übersetzt die typische Jackie Chan Rolle des kleinen Mannes gegen die Widrigkeiten der Welt in eine neue Variante, indem die Chan-Figur dem Kampf konsequent auszuweichen sucht. Daraus entwickelt Chan eine sehr gute Kriegssatire, die den Kampf ad absurdum führt und für ein friedliches Miteinander wirbt. Technisch ist die Bluray gut.

Stefan Dabrock

08.12.2010

   
Originaltitel Da bing xiao jiang (China/Hongkong 2010)
Länge 96 Minuten (24p)
Studio New KSM
Regie Sheng Ding
Darsteller Jackie Chan, Leehom Wang, Rongguang Yu, Ken Lo, Sung-yung Yoo, Peng Lin, u.a.
Format 1:2,35 (16:9)
Ton DTS-HD-Master 5.1 Deutsch, Mandarin
Untertitel Deutsch
Extras Making Of, Jackie Chan goes Berlinale 2010, Bildergalerie, Trailer
Preis ca. 20 EUR
Bewertung sehr gut, technisch gut