Nahrhafter
Samen
Teknolust

Cyberwesen
leben nicht vom Brot allein, denn die drei Klone, welche eine Biogenetikerin
angefertigt hat, benötigen männlichen Samen, um zu überleben.
Bei den drei Abbildern der Wissenschaftlerin handelt es sich um Mischformen
aus Software und Biomasse. Sie leben in einem abgesperrten Raum, aus
dem jede Nacht nur eine in die reale Welt zieht, um das wichtige Lebenselixier
zu besorgen. Ruby, die älteste, übernimmt diesen Job. Die
Männer, welche sie mit Hilfe alter Filmphrasen verführt,
stellen jedoch auffällige Veränderungen fest. Sie sind impotent
und zwischen ihren Augen entsteht ein Barcode. Als sich die Fälle
häufen, glaubt das FBI hinter einem Anschlag mit Biowaffen her
zu sein, so dass die Luft für die drei Klone sowie die Biogenetikerin
dünner wird.
"Teknolust" ist ein artifizieller Liebesfilm geworden, bei
dem die Regisseurin sich bemüht, im steril wirkenden Cyberambiente
Emotionen zu wecken. Die drei Klone leben in einer bunten Welt aus
den Farben grün, rot und blau, ihre Kleider leuchten in denselben
Farben. Zunächst deutet nichts auf emotionale Entwicklungen hin,
denn der Akt der Samenbeschaffung durch die ironischer Weise in rot
gekleidete Klonfrau ist ein rein technischer Vorgang, der zudem mit
Hilfe auswendig gelernter Filmphrasen zum Erfolg gebracht wird. Langsam
beeinflusst die reale Welt jedoch die künstlichen Geschöpfe.
Sie brechen aus ihrem Kokon aus und entwickeln sich zu Wesen, die
auch durch Emotionen gelenkt werden. Die Motivation der

Biogenetikerin,
die Klone zu erschaffen, ist durch ihre tragische Vergangenheit geprägt.
Regisseurin Lynn Hershmann-Leeson hat es sich jedoch in den Kopf gesetzt,
auf die reine Entwicklung der Figuren zu vertrauen, ohne gefühlvolle
Akzente in die Inszenierung hinein zu bringen. Das Ambiente wirkt
steril, weil "Teknolust" Kunst sein will. Irritierende Elemente
wie der flüsternde Doktor sollen amüsant sein, fügen
sich jedoch nicht in das restliche Design der Geschichte ein. Zu allem
Überfluss schafft es die Regisseurin nicht einmal, alle Handlungselemente
per Inszenierung zu verdeutlichen. Der Audiokommentar schließt
einige Lücken, welche der Film nicht hinterlassen sollte.
Bildqualität
Man
müsste schon sehr viel falsch machen, um einen auf HD-Video gedrehten
Film, schlecht aussehen zu lassen. Dementsprechend ist das Bild vom
feinsten. Gestochen scharf präsentiert es sich bis in die kleinsten
Details kristallklar. Die Farbwiedergabe ist brillant. Vor allem die
bunten Szenen erstrahlen in einem wunderbaren Glanz. Rauschmuster
gibt es nicht.
Tonqualität
In
Sachen Ton spielen sich beide 5.1-Spuren eher im Frontstage-Bereich
ab. Hier verteilen sich Geräusche und Dialoge gut auf Boxen.
Alles ist klar verständlich und rauschfrei. Die Musik sorgt meistenteils
für die räumliche Atmosphäre. Das macht sie solide.
Extras

Als
Bonus sind ein Audiokommentar der Regisseurin Lynn Hershmann-Leeson
und ein Trailer enthalten. Der Audiokommentar gehört zu den besseren
Vertretern und ist in seinen guten Passagen deutlich interessanter
als der Film. Zum einen wälzt Hershmann-Leeson ein paar Gedanken,
die sie sich im Rahmen des Films gemacht hat, zum anderen füllt
sie ein paar Lücken, welche die Inszenierung leider nicht verständlich
gemacht hat. So wurde mir zumindest während der Ansicht des Films
nicht klar, dass die alten Filme, welche einer der Klone als Inspirationsquelle
für die Verführungen nutzt, durch die Biogenetikerin ins
Netz eingespeist werden, damit die beiden anderen Klone die Samenjägerin
im Schlaf damit infiltrieren. Nachdem man die Erläuterung im
Audiokommentar gehört hat, versteht man zwar auch, welche Szenen
das erzählen sollten, aber ohne Kommentar ist das nur sehr schwer
verständlich. In anderen Passagen kommentiert Hershmann-Leeson
narrativ, was gerade zu sehen ist, so dass der Audiokommentar gute
und schwache Teile besitzt.
Fazit
"Teknolust"
ist ein rein artifizielles Kunstprodukt geworden, das im Bemühen,
anders als Hollywood zu sein, daran scheitert, einen alternativen
Weg emotionaler Erzählung zu finden. Die hübsche Optik verhindert
zwar, dass das Werk komplett langweilig ist, rettet den Film jedoch
nicht. Technisch ist die DVD vor allem hinsichtlich der Bildqualität
ausgezeichnet.
Stefan Dabrock
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Originaltitel |
Teknolust
(USA/GB/BRD 2002) |
Länge |
80
Minuten (Pal) |
Studio |
Sunfilm |
Regie |
Lynn
Hershman-Leeson |
Darsteller |
Tilda
Swinton, Jeremy Davis, James Urbaniak, John O'Keefe, u.a. |
Format |
1:1,78
(16:9) |
Ton |
DD
5.1 Deutsch, Englisch |
Untertitel |
Deutsch |
Extras |
Audiokommentar
von Lynn Hershmann-Leeson, Trailer |
Preis |
ca.
15 EUR |
Bewertung |
Film
gescheitert, technisch sehr gut |
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