Es
wäre sicherlich etwas übertrieben, das französische
Kino als ein Kino der Lastwagen-Thriller zu beschreiben, aber mit
Henri-George Clouzots "Lohn der Angst" gibt es ein ausgezeichnetes
Vorbild. "Sweat" erweist ihm auf seiner actionreichen Reise
durch die marokkanische Wüste seine Referenz. Dabei ist die Grundhandlung
ähnlich minimalistisch wie bei Clouzots Werk. Vier Männer
überfallen ein Flugzeug und erbeuten 10 Tonnen Gold. Jetzt müssen
sie die wertvolle Fracht nur noch durch die Wüste bis ans Meer
bringen, wo Abnehmer darauf warten. Nach erfolgter Transaktion wären
die vier Spezialisten gemachte Leute. Mit einem Truck rasen der Fahrer,
der Mechaniker, der Denker und der Waffenfetischist durch die brütende
Hitze. Dabei drängt die Zeit, weil die Abnehmer mit ihrem Schiff
nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt warten können. Anstrengung,
Skrupellosigkeit und Gier entzweien jedoch schon nach kurzer Zeit
die Gruppe, in der jeder das Gold für sich alleine haben will.
menschliche
Verhalten, aufgrund der grenzenlosen Weite der Wüste als Möglichkeit
erscheint. Vor allem Jean-Hugues Anglade als unberechenbarer Fahrer,
der mit dem Truck gleich zu Beginn aus reinem Vergnügen eine
Straßensperre aus zwei Jeeps durchbricht, forciert mit wildem
Spiel den tragischen Gegensatz. Seine Figur hat die geistige Enge
am offensichtlich sichtbarsten aufgesogen, aber das kontrollierte
Verhalten des Denkers, dem zentralen Gegenspieler Anglades, ist auch
nur eine Fassade. Dank eines Drehbuchs, das immer wieder neue, teilweise
surrealistisch anmutende Szenen, bereithält, erweist sich "Sweat"
als filmisches Vergnügen, das immer wieder auch ein paar krachende
Actionelemente besitzt.
Bildqualität
Das Bild ist der DVD ist schlicht ausgezeichnet. Keinerlei Verunreinigungen oder Bilddefekte stören die exzellent komponierte Ästhetik des Films. Alles erstrahlt in einer sehr guten Schärfe, so dass auch Details hervorragend zur Geltung kommen. Farbwiedergabe und Kontrast unterstützen den Look des Films auf effektive Weise. Rauschmuster sind bei diesem Transfer nicht zu sehen. Der einzige ganz kleine Wehrmutstropfen ist das leichte Konturenflimmern, das hier und da einmal zu sehen ist.Tonqualität
Die
deutsche Tonspur kann man getrost vergessen, da sie an Volumen nur
ein billiger Abklatsch dessen ist, was der englische und französische
Ton bietet. Der englische Ton läuft leider häufig deutlich
asynchron, so dass man auch diesen nicht empfehlen kann. Seine räumliche
Wirkung ist aber mit dem französischen Track identisch. Der französische
5.1.-Ton liefert eine räumliche Atmosphäre, wie man sie
sich nur wünschen kann. In allen Actionszenen ertönen Effektgeräusche
aus allen Boxen, so dass man sich manchmal selbst duckt, um nicht
von einem Querschläger getroffen zu werden. Hubschrauber fliegen
ebenso durch das heimische Wohnzimmer, wie die Musik die schöne
räumliche Kulisse unterstützt. Anlass zur Kritik gibt es
hier gar nicht.
Extras
Auf der ersten DVD ist es möglich, per Multi-Angle-Funktion die französische mit der englischen Fassung zu vergleichen. Das erweist sich jedoch als recht schwierig, da man überhaupt nicht weiß, wann Unterschiede auftreten. Der Test ergab in manchen Szenen eine leicht veränderte Kameraposition, so dass beispielsweise mehr oder weniger Himmel zu sehen ist. Besonders augenfällige Unterschiede konnten nicht festgestellt werden, so dass hier mehr Marketing als Nutzen der Leitgeber gewesen sein dürfte.Das übrige Bonusmaterial ist auf einer zweiten DVD enthalten.
Das 11minütige Making Of liefert lediglich PR-Material. Wer
daran interessiert ist, wie der Film gedreht wurde, sollte sich
den Audiokommentar anhören.
Hinter der 45minütigen Dokumentation "Abenteuer in der
Wüste" verbirgt sich untertiteltes B-Roll-Material, das
in einigen seltenen Fällen durch Interviewschnipsel der Beteiligten
aufgelockert wird. Insgesamt bleibt das Material durch die weitgehende
Nichtaufbereitung jedoch langweilig.
"Fahrt durch den Tunnel" beschäftigt sich in vier
Minuten mit der Tunnelszene. Hier sieht man in den B-Roll-Szenen
wenigstens ein wenig, wie der Tunnel künstlich aufgebaut wurde.
Dennoch hätte man sich auch hier aufbereitetes Material gewünscht.
Deutlich besser ist der 6minütige Beitrag "Die Lastwagen".
Hier erläutert der Pruduktionsdesigner Jimmy Vansteenkiste
seine Arbeit an den LKWs. Gleichzeitig sieht man hier auch die auf
einem Lastwagen montierte Bühne, auf der wiederum ein Karosseriemodell
des Filmtrucks aufgebaut wurde, um die Szenen während der Fahrt
filmen zu können.
"Geschnittene Szenen" enthält einzelne längere
Versionen im Film enthaltener Szenen sowie alternative Versionen.
Durch den Kommentar des Regisseurs erhält dieser Beitrag ebenso
zusätzliche Qualitäten wie die kurze Outtakerolle mit
Missgeschicken.
Das animierte Storyboard einer Actionszene sowie Trailer und Teaser
runden die DVD ab.
Fazit
Mit faszinierenden Bildern komponiert Regisseur Louis-Pascal Couvelaire einen temporeichen Actionthriller, der seine elegische Tragik aus dem Gegensatz zwischen möglicher Freiheit und geistiger Enge bezieht. Technisch ist die DVD exzellent. Das Bonusmaterial bleibt jedoch durchwachsen, da vor allem die Zusatz-DVD kaum interessante Beiträge bietet.Stefan Dabrock
| Originaltitel | Sueurs (Frankreich 2002) |
| Länge | 99 Minuten (Pal) |
| Studio | Koch Media |
| Regie | Louis-Pascal Couvelaire |
| Darsteller | Jean-Hugues Anglade, Joaquim de Almeida, Cyrille, Thouvenin, Nozha Khouadra, u.a. |
| Format | 1:2,35 (16:9) |
| Ton | DTS Deutsch; DD 5.1 Deutsch, Französisch, Englisch |
| Untertitel | Deutsch |
| Extras | Audiokommentar von Louis-Pascal Couvelaire (Regie), Michel Abramowicz (Kamera), Samuel Hadida (Produktion) und Leslie Porter (Produktion); Making Of, Trailer, u.m. |
| Preis | ca. 20 EUR |
| Bewertung | gut, Bonusmaterial durchwachsen |