Als
Normalsterblicher kann man es sich natürlich nur schwer vorstellen,
wie es sein muss, das Leben eines in die Jahre gekommenen Superheldendarstellers
zu führen. Es ist sicherlich nicht schön, wenn die Fanpost
langsam abebbt, bis sie gar nicht mehr eintrifft. Noch weniger schön
aber muss es sein, zu der Rolle des Sidekicks eben dieses gealterten
Superheldendarstellers verdammt zu sein, wenn man berücksichtigt,
dass bereits mehrere Vorgänger verschlissen wurden. Für
Lewis Rosen ist genau das die Realität. Gerne würde er als
aufstrebender Jungdarsteller Beachtung finden, stattdessen begleitet
er den legendären Reptile Man zu erfolglosen Showveranstaltungen
in Möbelhäusern. Nachdem die beiden Männer in ihren
absurden Kostümen während einer solchen Show, bei der gerade
drei Fans das Publikum stellen, aneinander geraten, will Rosen die
Brocken hinschmeißen. Die jämmerliche Rolle in Verbindung
mit den unerträglichen Starallüren des Reptile Man haben
schon lange für großen Frust gesorgt. Doch als Rosen zu
Hause bei seiner Frau per Telefon erfährt, dass der Reptile Man
angeschossen im Krankenhaus liegt, weil er eine Großtat vollbringen
wollte, wird ihm klar, dass er den Abschied langsamer gestalten muss.
welche
erkennen lässt, dass hier ein ganz Großer zu sehen ist,
wenn die Tage des Ruhmes auch Vergangenheit sind. Komik und Tragik
liegen hier so dicht beieinander oder verweben sich in den besten
Momenten sogar zu einem Gefühlsteppich, dass Szenen mit widerstreitenden
Emotionen entstehen. Die große Stärke des Regisseurs Stewart
Schill besteht darin, den Reptile Man trotz seiner offensichtlichen
unangenehmen Eigenschaften - er sabotiert sogar aktiv die Karriere
seines Sidekicks - immer auch ein Stück weit liebenswürdig
zu halten. So entsteht das Psychogramm eines Menschen, der es als
Star stets gewöhnt war, eine geborgte Identität zu leben.
Doch die Identität des Reptile Man lebt nur dann, wenn das Publikum
durch seine Anwesenheit bestätigt, dass es ihn gibt. Insofern
ist Stewart Schills Tragikomödie auch die absurde Schilderung
eines Entzugs.
Bildqualität
Da das Originalformat des Films unklar ist, bleibt nur die Möglichkeit der Spekulation angesichts des auf der DVD enthaltenen Seitenverhältnisses von 1:1,33. Zumindest fällt nicht direkt auf, dass an irgendeiner Stelle wesentliche Bildinformationen links oder rechts verschwunden sind. Da der Film sehr klein produziert wurde, ist es auch sehr gut möglich, dass es sich um das Originalformat handelt. Die Schärfe des Bildes ist aufgrund der limitierten Produktionsumstände nur brauchbar. Immer wieder gibt es Bilder, die matschig wirken. Darunter leidet auch der Detailreichtum. Der Kontrast lässt bisweilen einzelne Elemente in dunklen Bildbereichen verschlucken, arbeitet bei den meisten Aufnahmen jedoch recht ordentlich. Die Farbwiedergabe ist gut gelungen und wird auch nicht durch Dreckspuren oder Bilddefekte gestört. Rauschmuster begleiten den Film.Tonqualität
Der 2.0-Ton ist sowohl auf deutsch wie auf englisch in Ordnung. Naturgemäß bietet der Film angesichts seiner vielen Dialogszenen nur wenig Spielraum für den Ton, sich auszuzeichnen. Die Dialoge sind in der Regel klar und verständlich und die Musikwiedergabe ist gut. Besondere Schwächen gibt es nicht.Extras
Erstaunlicherweise
existiert zu dem Low-Budget-Werk ein Audiokommentar von Stewart Schill
(Regie) und Morris Ruskin (Produktion). Beide plaudern recht munter
über die Produktionsumstände des Films und werfen immer
wieder Tony-Curtis-Anekdoten ein, so dass nie Langeweile aufkommt.
Neben solch soliden Passagen wird auch die eine oder andere Szene
im Hinblick auf die Filmsprache analysiert, so dass sich insgesamt
ein Audiokommentar der besseren Sorte ergibt. Der Trailer rundet das
Bonusmaterial ab.
Fazit
Zu Unrecht fristet Stewart Schills kleine Tragikomödie über die Schwierigkeiten des alternden "Reptile Man"-Darstellers ein Dasein im Abseits. Absurder Humor, tragisches Psychogramm und eine wundervolle schauspielerische Leistung des alten Tony Curtis sorgen für die Qualitäten des Films. Technisch ist die DVD angesichts der Produktionsumstände von Reptile Man in Ordnung.Stefan Dabrock
| Originaltitel | The Continued Adventures of Reptile Man and His Faithful Sidekick Tadpole (USA 1997) |
| Länge | 83 Minuten (Pal) |
| Studio | Galileo Medien |
| Regie | Stewart Schill |
| Darsteller | Tony Curtis, Arye Gross, Ally Walker, u.a. |
| Format | 1:1,33 (4:3) |
| Ton | DD 2.0 Deutsch, Englisch |
| Untertitel | Deutsch |
| Extras | Audiokommentar von Stewart Schill (Regie) und Morris Ruskin (Produktion), Trailer |
| Preis | ca. 17 EUR |
| Bewertung | Film gut, technisch brauchbar |