Demnächst
erscheint ein amerikanisches Remake des Kiyoshi-Kurosawa-Films "Pulse"
laufen, über dessen Qualitäten bislang wenig bekannt ist.
Eine Ansicht des japanischen Originals sollte der geneigte Fan jedoch
nicht unterlassen, denn Kurosawas Horrorfilm gehört zum Besten
des Genres.
einer
Wand oder auf dem Boden sowie ein Hilferuf an Angehörige oder
Freunde. Der Grund des Verschwindens ist die Erkenntnis totaler Einsamkeit
und Isolation. "Pulse" beschreibt mit Hilfe einer gesellschaftskritischen
Allegorie das Grundübel unserer Zeit. Er beklagt das Fehlen von
Menschlichkeit und Freundschaft, an deren Stelle die Vereinsamung
getreten ist. Ohne Freundschaft und menschliche Werte fehlt aber der
Sinn des Lebens, der Sinn für eine Gesellschaftsorganisation,
deren Ziel nur gemeinsames Eintreten füreinander sein kann. Denn
ohne gemeinsame Ziele und Solidarität ist ein Zusammenschluss
verschiedener Menschen unter einem Verbund nur eine wahllose Ballung
von Lebensformen. Eine Gesellschaft ergeben sie nicht. Die Konsequenz
bei Kurosawa ist die totale Auflösung der gewohnten Ordnung.
Wenn seine Helden durch menschenleere Straßen wandern, in denen
das Leben einfach ausradiert wurde, erreicht die gespenstische Atmosphäre
des Films seinen Höhepunkt. Geschickt wechseln sich machtvolle
Musikuntermalung und erschreckende Stille ab. Immer wieder wird der
Zuschauer mit dem Nichts konfrontiert, das viel unheimlicher, weil
unfassbarer, als eine klare Bedrohung ist. Die Kameraarbeit unterstreicht
mit souveränem Gespür für das Geschehen Kurosawas apokalyptische
Vision. Oftmals werden die Figuren aus einem distanziertem Blickwinkel
gefilmt. Nur selten mischt sich die Kamera mitten in die Szenerie.
Die Isolation, das Nichts, das Ende verstärkt sich bis zu einem
Zustand der Hoffnungslosigkeit, der gegen Ende nur ansatzweise gebrochen
wird.
Bildqualität
Die
Vorlage kommt ohne Bilddefekte oder andere störende Elemente
aus. Das visuelle Konzept des Films sieht eine eher ausgewaschene
Farbpalette und teilweise auch raue Bildgestaltung vor. So wirkt der
Film immer wieder etwas grisselig, was der atmosphärischen Wirkung
gut tut. Das etwas blasse Aussehen unterstreicht den apokalyptischen
Charakter des Werkes und gibt keinen Anlass zur Kritik. Etwas störender
erscheint da schon die Schärfe, die zwischen gut und angenehm
schwankt. Auch sorgt der etwas steile Kotrast dafür, dass in
dunklen Szenen Details verschluckt werden. Vor allem für einen
asiatischen Film ein wirklich guter Transfer.
Tonqualität
Der japanische Originalton im 2.0-Format nutzt die ganze Bandbreite der vorderen Boxenfront aus und verteilt seine Geräusche geschickt. Das verstärkt auf effektive Weise die atmosphärische Wirkung des Films. Alles ist gut verständlich abgemischt. Wer möchte kann sich auch einen deutschen 5.1-Upmix anhören.Extras
Bonusmaterial existiert nicht.Fazit
"Pulse" schildert eine finstere Form der Apokalypse, die für das Verschwinden der Menschen sorgt. Dabei nutzt Kurosawa die gespenstische Atmosphäre, um das zunehmende Umgreifen von Einsamkeit und Isolation in der modernen Gesellschaft zu beklagen. Technisch ist die DVD gut.Stefan Dabrock
| Originaltitel | Kairo (Japan 2001) |
| Länge | 114 Minuten (Pal) |
| Studio | Splendid |
| Regie | Kiyoshi Kurosawa |
| Darsteller | Haruhiko Katô, Kumiko Aso, Koyuki, u.a. |
| Format | 1:1,85 (16:9) |
| Ton | DD 5.1 Deutsch, DD 2.0 Japanisch |
| Untertitel | Deutsch |
| Extras | - |
| Preis | ca. 20 EUR |
| Bewertung | sehr gut, technisch gut |