Sick Girl
special: masters of horror - alle folgen
Lucky
McKees "May" (2002) ist ein spannender Horrorthriller mit
satirischen Elementen, der darüber die emotionale Verfassung
der Hauptfigur in ihrer sozialen Isolation nicht vergisst. Diesen
Stil hat McKee auch in seinen Beitrag zur Masters-of-Horror-Serie
übertragen. Eine lesbische Biologin hat Schwierigkeiten, eine
Partnerin zu finden, weil ihre ganze Wohnung mit seltsamen Insekten
in den verschiedensten Terrarien bevölkert ist. Die meisten Frauen
suchen angesichts der Insektenflut schnell das Weite. Ein Berufskollege
drückt es so aus: "Babes or bugs. You cant't have both"
(Babes oder Käfer. Du kannst nicht beides haben). Als die Biologin
wieder einmal ein Date mit nach Hause nimmt, hat sie vorgesorgt und
sinniger Weise alle Insekten ins Schlafzimmer verbannt. Glücklicherweise
stellt sich heraus, dass die neue Freundin mit den Wohnungsgenossen
gut zu Recht kommt. Während des Liebesspiels auf einer Couch
wird sie jedoch von einem Insekt gebissen, das der Biologin vor ein
paar Tagen anonym aus Brasilien zugeschickt worden war. Von nun an
verändert sich die gebissen Frau auf seltsame Weise.
viel
zu langsam aber für das vorliegende Format. Dadurch kann McKee
seine Geschichte nicht mehr auf einen starken Höhepunkt zutreiben,
es reicht nur noch zu einem sehr schnellen, hektisch wirkenden Finale,
das sich mit einer einzigen Horroraktion begnügen muss. Natürlich
leidet McKee dabei auch unter dem Drehbuch, aber ohne Schuld ist er
auch nicht, wenn man bedenkt, dass er auch dieses Finale etwas intensiver
hätte inszenieren können. Dazu wären aber eine schnelle
Exposition und ein paar eigene Ideen notwendig gewesen. Unabhängig
davon erweist sich die Folge über weite Strecken als unterhaltsam.
Mit satirischem Einschlag rückt McKee die Unsicherheit der beiden
Frauen ins Zentrum. Vorsichtig nähern sie sich an, während
die Insekten immer als großes Hindernis für eine Beziehung
im Hintergrund stehen. Die Vermieterin, eine besonders penible Frau
mit einem Enkelkind, das ständig in einem Käferkostüm
herumläuft, ist Zielscheibe des Spotts. Ihre konservative Art
erscheint unsympathisch, da der Film konsequent die Position der Biologin
einnimmt. So erscheint auch für den Zuschauer die Vermieterin
als unangenehmer Eindringling, während die Insekten friedlich
in ihren Terrarien herum sitzen. Das ist alles ganz lustig, teilweise
hat man sogar den Eindruck McKee wolle ein schräg-romantisches
Märchen erzählen, aber letztlich fehlt dem Film ein erzählerisches
Zentrum. Das Ende löst weder Handlungsfäden auf, noch stellt
es sie in Frage. Es ist einfach da, ohne dass es sich einem vorher
entwickelten erzählerischen Kern widmen würde. Auch die
Beziehung zwischen den beiden Frauen kommt dafür nicht in Frage,
da das Ende keinerlei vorangegangenen Konflikt auflöst oder einen
neuen schafft. Es ist dadurch ohne dramaturgischen Sinn und könnte
genauso gut fehlen. Wenn man es positiv sehen will, trägt die
Folge dadaistische Züge.
Bildqualität
Die Bildqualität siedelt sich in "Deer Woman"-Regionen an. Bildpunkte oder Verschmutzungen gibt es selbstverständlich nicht zu beklagen. Die Schärfe ist sehr gut, das Bild wirkt detailreich. Die Farbwiedergabe ist sehr gelungen, gleiches gilt für den tiefen Schwarzwert, so dass sich die einzelnen Szenen gut entfalten können. Rauschmuster halten sich in engen Grenzen.Tonqualität
Der Ton entfaltet seine dynamischen Qualitäten vor allem auf den vorderen Lautsprechern. Die Dialoge werden rauschfrei und verständlich wiedergegeben. Eine echte räumliche 5.1-Kulisse entwickelt sich kaum. Insgesamt kann man aufgrund der guten restlichen Abmischung aber sehr zufrieden sein.Extras
Das rund 70minütige Bonusmaterial besteht aus einem rund 4minütigem Behind the scenes Beitrag mit dem Titel "Die Spinne in der Maske". Hier läuft eine Tarantel den Arm von Angela Bettis rauf und runter, während über die Spinne gesprochen wird.
fand,
dass er beim Casting freie Hand hatte. Eine Schrecksekunde lang guckt
McKee etwas verdutzt, da er diese Frage quasi schon vorauseilend beantwortet
hatte, und leiert sich noch ein paar Sätze aus dem Kreuz, die
er immer noch mit großer Begeisterung vorträgt. Bei einem
Menschen wie Lucky McKee ist es einfach für jeden untalentierten
Menschen möglich, ein gutes Interview zu bekommen.Fazit
"Sick Girl" erweist sich bei näherem Hinsehen als durchaus interessant, aber der 60minütigen Dramaturgie nicht gewachsen. Das Ende kommt nicht nur abrupt, sondern auch ohne wirklichen Zusammenhang zu vorangegangenen Konfliktlinien, so dass die Folge eine dadaistische Note erhält. Technisch ist die DVD gut. Das Bonusmaterial ist dank eines bestens aufgelegten Lucky McKee besser als bei den zuletzt veröffentlichten Teilen.Stefan Dabrock
| Originaltitel | Sick Girl (USA 2005) |
| Länge | 56 Minuten (Pal) |
| Studio | Splendid |
| Regie | Lucky McKee |
| Darsteller | Angela Battis, Erin Brown, Jesse Hubik, u.a. |
| Format | 1:1,78 (16:9) |
| Ton | DD 5.1 Deutsch, Englisch |
| Untertitel | - |
| Extras | Interviews, Behind the scenes, Texttafelbiographie, Trailer |
| Preis | ca. 14 EUR |
| Bewertung | interessant, technisch sehr gut |