Deer Woman
special: masters of horror - alle folgen
John
Landis hat die Latte für seine Regiekollegen des Masters-of-Horror-Projektes
hoch gelegt. Es wird spannend sein, ob noch irgendeine der anderen
Folgen an "Deer Woman" herankommt. Wer allerdings beinharten
Horror erwartet, ist bei Landis falsch aufgehoben. Vielmehr serviert
"Deer Woman" seine durchaus gruselige Grundgeschichte mit
perfekt getimeten Humor und mitreißendem Tempo. Durch eine zufällige
Konstellation wird Detective Faraday, der nach etwas ungünstigen
Ereignissen in der Vergangenheit nur noch als Spezialist für
Fälle mit Tierattacken zuständig ist, an den Ort eines Verbrechens
gerufen. Als Faraday und sein Partner Reed an der einsam gelegenen
Kneipe ankommen, finden sie im Führerhaus eines Trucks einen
roten Fleischklumpen vor, der vor ein paar Stunden vermutlich ein
lebender Mensch gewesen ist. Da die Angelegenheit nach Mord aussieht
wird Faraday wieder abberufen, aber die Hufabdrücke auf der Leiche
lassen ihm keine Ruhe. Es könnte eine Tierattacke involviert
sein und so bleibt er zusammen mit seinem Partner Reed dran. Bei den
Ermittlungen stoßen sie auf eine alte indianische Legende über
eine verführerische Frau mit Tierbeinen. Die Zeit drängt,
denn die Opfer häufen sich.
behandelt.
Brian Benben spielt den zu Fällen mit Tierattacken degradierten
Cop mit einer Mischung aus Resignation gegenüber seiner allgemeinen
Lage und enthusiastischem Interesse am vorliegenden Fall. Mit bissigen
Kommentaren reagiert er auf die Sprüche seiner Kollegen, die
wie arrogante Spielverderber wirken. Je bizarrer die Details um die
Todesfälle werden, desto sympathischer wirken Faraday/Reed, weil
sie sich als einzige auf der richtigen Spur befinden. Neben dem perfekten
Timing amüsanter Begebenheiten und Dialoge gelingen Landis aber
auch visuell eindrucksvolle Filmbilder. Während eines nächtlichen
Spaziergangs durch die Stadt wandert Faraday vor einer langen Wand
entlang, deren Waldbemalung wie eine Märchenillustration wirkt.
Dabei bleibt er immer wieder stehen, weil er seltsame Trittgeräusche
zu hören glaubt. Faraday versinkt geradezu in der Malerei. Die
Kräfte der Natur haben ihn vollständig umfangen. Selbst
in der Stadt sind sie ihm auf den Fersen. Die Künstlichkeit des
gemalten Waldes verweist zugleich auf den märchenhaften Überbau
der alten Indianerlegende, der man sich in ihrem ursprünglichen
Stammland nicht entziehen kann, wie auf die Möglichkeit, dass
alles nur einer wilde Phantasie Faradays ist. Landis hat seine Episode
mit ähnlichen filmischen Mitteln gespickt und beweist dadurch,
wie souverän er das kurze Format im Griff hat, das ausladenden
Szenerien nur in geringem Maße verträgt. Sein Stil basiert
auf schnellen Dialogen und assoziativen Momenten. Auf diese Weise
gelingt ihm eine ausgezeichnete Horrorkomödie.
Bildqualität
Die Bildqualität fällt bei "Deer Woman" sogar besser als bei den vorangegangenen Teilen aus. Bildpunkte oder Verschmutzungen gibt es selbstverständlich immer noch nicht zu beklagen. Die Schärfe ist sehr gut, das Bild wirkt detailreich. Die Farbwiedergabe ist sehr gelungen, gleiches gilt für den tiefen Schwarzwert, so dass sich die einzelnen Szenen gut entfalten können. Rauschmuster halten sich in engen Grenzen.Tonqualität
Der Ton entfaltet seine dynamischen Qualitäten vor allem auf den vorderen Lautsprechern. Die Dialoge werden rauschfrei und verständlich wiedergegeben. Eine echte räumliche 5.1-Kulisse entwickelt sich kaum. Insgesamt kann man aufgrund der guten restlichen Abmischung aber sehr zufrieden sein.Extras
Da die amerikanische DVD noch nicht veröffentlich ist, lässt sich nicht exakt sagen, welches Bonusmaterial sie enthält. Audiokommentare sind bei Anchor Bay bislang jedenfalls nicht angekündigt, sondern ein paar Interviews und eine Featurette "Working with a Master". Ob es sich bei letzterer um das "Behind the scenes"-Material der deutschen DVD handelt, ist unklar. Ein Kommentar auf amazon.com erwähnt Interviews, die das deutsche Material definitiv nicht beinhaltet. Da die DVD in Amerika jedoch noch nicht erhältlich ist, bliebt unklar, aus welcher Quelle der Kommentar stammt.
Die
deutsche DVD enthält eine "Behind the scenes"-Sektion,
die sich in neun Kapitel aufteilt und zusammen etwa 70 Minuten dauert.
Gegenüber den vorangegangenen Veröffentlichungen hat sich
jedoch qualitativ nur wenig geändert. Es handelt sich um vollständig
unkommentiertes Setmaterial, das in dieser Länge völlig
überdimensioniert wirkt. Die einzelnen Kapitel zeigen hauptsächlich
den direkten Dreh verschiedener Szenen, inklusive Proben und mehreren
Durchläufen. Dass es nicht ganz so langweilig bleibt, wie bei
den vorangegangenen Veröffentlichungen liegt an John Landis,
der durchaus lebhaft bei der Sache ist und häufig über
die Mikrophone gut eingefangen wird, so dass man ihm zuhören
kann.
Der Trailer und eine Texttafelbiographie über John Landis runden
das Bonusmaterial ab.
Fazit
John Landis zeigt, wie man das 60minütige Format beherrschen muss. Seine Episode besticht durch die rhythmisch beste Dramaturgie und eine sehr gelungene visuelle Umsetzung. Dank pointierter Dialoge entwickelt sich so eine höchst amüsante Horrorkomödie. Wer allerdings auf die "brutalsten Fantasien" (Covertext) wartet, wird enttäuscht sein. Technisch ist die DVD sehr gut, das Bonusmaterial schwach.Stefan Dabrock
| Originaltitel | Deer Woman (USA 2005) |
| Länge | 56 Minuten (Pal) |
| Studio | Splendid |
| Regie | John Landis |
| Darsteller | Brian Benben, Anthony Griffith, Cinthia Moura, u.a. |
| Format | 1:1,78 (16:9) |
| Ton | DD 5.1 Deutsch, Englisch |
| Untertitel | Deutsch |
| Extras | Behind the scenes, Biographie, Trailer |
| Preis | ca. 14 EUR |
| Bewertung | sehr gut, technisch sehr gut |