Das
Giallo-Genre besteht im wesentlichen daraus, einen mysteriösen
Mörder umgehen zu lassen, der bei seiner Arbeit gerne schwarze
Handschuhe trägt. "Der Killer von Wien" macht da keine
Ausnahme und nutzt die morbide Atmosphäre der österreichischen
Hauptstadt, um eine veritable Mordserie zu etablieren. Die Opfer sind
im Giallo in der Regel Frauen, woran sich "Der Killer von Wien"
auf effektive Weise hält. Die junge Julie Wardh kommt mit ihrem
wohlhabenden Mann in Wien an, während der Mörder immer noch
ungeklärt sein Unwesen treibt. Bereits kurz nach ihrem Eintreffen
in der Metropole meldet sich ein alter Verehrer bei ihr, indem er
Blumen schickt. Beide waren in der Vergangenheit durch eine sadomasochistische
Sexbeziehung verbunden. Auf den Grußkarten, welche an den Sträußen
hängen, spielt er in mysteriöser sowie bedrohlicher Weise
darauf an. Zu Recht fühlt sich Julie Wardh bedroht. Da ihr Ehemann
sie meistens alleine lässt, landet sie schließlich bei
George, einem schmierig-eleganten Schönling, der dank seines
Draufgängertums ein aufregenderes Leben verspricht. Die Isolation,
welche nur durch ihre Freundin aufgehoben wird, treibt sie immer stärker
in Georges Arme, bis es schließlich das Bett ist. Die Bedrohung
durch ihren alten Verehrer, welche aufgrund der aktuellen Mordserie
weiter angeheizt wird, wirkt dabei unterstützend.
hinter
den einzelnen Elementen steckt. Stets bleibt die Möglichkeit
gegeben, dass Julies Geisteszustand durch Realitätsverlust geprägt
ist. "Der Killer von Wien" offenbart auf diese Weise ein
visuelles Universum, das gleichzeitig die Paranoia einer sozial isolierten
Frau und die Omnipräsenz einer dämonischen Mörderfigur
bebildert. Elegant ausgeleuchtete Szenerien sorgen in Verbindung mit
ausgezeichneten Spannungssequenzen für den filmischen Genuss.
Ein Paradebeispiel für den Thrilleraufbau liefert Martino ab,
wenn die Freundin Julies im Garten von Schloss Schönbrunn eine
Verabredung hat. Die menschenleeren Wege, das Rauschen der Bäume
und ein Gärtner sind die unruhestiftenden Elemente, welche durch
das Zwielicht Wiens entsprechend verstärkt werden. Auf einmal
wirkt die österreichische Hauptstadt wie ein gigantischer Sarg,
der alles verschlingt, was nicht rechtzeitig herausklettert.Bildqualität
Wieder einmal beweist Koch Media, was auch bei älteren Filmen auf DVD herausgeholt werden kann. Dreckspuren oder Bilddefekte tauchen nicht auf. Die Schärfe ist in den Nahaufnahmen brillant, lediglich bei der einen oder anderen Totalen wird das Bild leicht matschig. Die Farbwiedergabe ist ein Traum. Alles erstrahlt kräftig-intensiv, so dass der Film sein volles atmosphärisches Potential entfalten kann. Rauschen sucht man vergeblich. Insgesamt ein exzellenter Transfer.Tonqualität
Der Mono-Ton kommt ohne größeres Rauschen daher und weiß durch eine verzerrungsfreie Wiedergabe der Dialoge zu gefallen. Die Musikwiedergabe ist sehr gut, so dass der atmosphärische Score seine ganze Pracht entfalten kann.Extras
Auch
für diese Veröffentlichung eines italienischen Genre-Films
wurde wieder Bonusmaterial zusammen getragen. Die 32minütige
Dokumentation "Dark Fears behind the Doors" beinhaltet Interviews
mit den Darstellern Edwige Fenech und George Hilton, dem Drehbuchautor
Ernesto Gastaldi, dem Regisseur Sergio Martino und dem Produzenten
Luciano Martino. Entspannt erinnern sich die Beteiligten an die Entstehung
des Projektes sowie die Dreharbeiten selbst. Dabei zeigt Edwige Fenech,
dass sie offensichtlich vergessen hat, wie oft sie sich innerhalb
des Films zum Duschen oder für die Rückblenden ausziehen
musste, in denen die sadomasochistische Beziehung zu ihrem früheren
Liebhaber gezeigt wird, denn von einer innewohnenden Erotik will sie
nichts wissen. Daneben gibt es biographische Informationen sowie Erläuterungen
des filmischen Aufbaus. Dazwischen wurden immer wieder Filmausschnitte
montiert. Die Dokumentation erweist sich als lohnenswerter Rückblick
in eine andere Zeit des Filmemachens. Der Sinn des sechsminütigen
Beitrags "Austrofred - Tu felix Austria nude", in dem der
seltsame Wiener Musiker Austrofred anhand ausgewählter Beispiele
über die Tradition des Nackten in Wien berichtet, erschließt
sich nicht. Hier macht sich der Eindruck breit, als habe es einen
irgendwie gearteten Werbehandel gegeben. Sehr schön ist hingegen
die 13minütige Dokumentation "La belissima musica della
Signora Orlandi", in der die Komponistin der Filmmusik Nora Orlandi
über ihre Arbeit im allgemeinen und die an "Der Killer von
Wien" im speziellen berichtet. Dabei fasst sie die wichtigsten
Stationen ihrer Laufbahn ebenso zusammen wie sie über ihre Vorlieben
sowie den musikalischen Stil verschiedener Kompositionen spricht.
Ein überaus sympathisches Interview. Der Trailer rundet das Bonusmaterial
ab.
Fazit
"Der Killer von Wien" überzeugt durch seine schwelgerische Bildsprache, die in Verbindung mit der ausgezeichnet komponierten Musik ein ebenso spannendes wie teilweise erotisches Thrillererlebnis bietet. Technisch ist die DVD sehr gut.Stefan Dabrock
| Originaltitel | Lo Strano Vizio Della Signora Wardh (Italien 1971) |
| Länge | 97 Minuten |
| Studio | Koch Media |
| Regie | Sergio Martino |
| Darsteller | Edwige Fenech, George Hilton, Ivan Rassimov, u.a. |
| Format | 1:2,35 (16:9) |
| Ton | DD 2.0 Mono Deutsch, Italienisch |
| Untertitel | Deutsch |
| Extras | Dark fears behind the Door: Interview mit Edwige Fenech, George Hilton, u.a.; Trailer; u.m. |
| Preis | ca. 17 EUR |
| Bewertung | sehr gut |