Wenn
die Ressourcen einer Welt langsam zu Neige gehen, dann sind Visionen
gefragt, die den Weg in eine behagliche Zukunft weisen. Mag der Weg
auch steinig sein, das Ziel sollte andere Eigenschaften besitzen.
Axis ist so eine Welt, in der das Überleben nicht mehr gesichert
zu sein scheint. Die Bewohner ernten für ihre Götter einen
glibberigen Saft, den sie aus den Pflanzen des Planeten gewinnen.
Doch es wird immer schwieriger, die geforderte Ernte heranzuschaffen.
Der Hohepriester steht als religiöser Führer direkt mit
den Göttern in Kontakt, die sich als mächtige Wesen entpuppen.
Ihre Heimat ist das Innere von Axis. Kaena, eine junge Frau, spürt
durch Visionen geleitet, dass die Gefolgschaft zu den angeblichen
Göttern ein Irrweg ist. Sie glaubt an die Erforschung der unbekannten
Regionen, um eine neue Welt zu erschließen, die ein glückliches
Leben für alle bedeuten kann.
Demgegenüber
steht Kaena mit ihrem Forscherdrang, der auch vor den unerschlossenen
Regionen des Planeten nicht Halt macht. Aber der Film bedient kein
einfach-schematisches Denken, denn Kaena ist visionsgeleitet, so dass
ihre Ausflüge und ihr Bestreben, die übrigen Bewohner in
einer sichere Zukunft zu führen, einen spirituellen Charakter
besitzen. In Zeiten der Not entwickelt sie eine Vorstellung von einem
gelobten Land, das es zu erreichen gilt. Denn die alten Götter
sind in Wirklichkeit keine Götter. Ihnen fehlt die spirituelle
Legitimation, so dass der Hohepriester nicht für die wahre Religion,
sondern für eine reine Götzenverehrung steht. In Kaena hingegen
bündelt sich die friedvolle Koexistenz aus religiös geprägtem
Glauben an eine Utopie und wissenschaftlichem Forschergeist. Erst
das Zusammenspiel beider Elemente lässt sie erfolgreich sein,
denn mehr als einmal ist sie darauf angewiesen, ihren Visionen zu
vertrauen, um den richtigen Weg einzuschlagen. Dieser führt die
junge Frau in abenteuerliche Situationen, die als Action- sowie Spannungsinszenierung
hervorragend funktionieren. Schwierig wird es, wenn die computeranimierten
Figuren menschliche Emotionen wie Zuneigung oder gar Liebe ausdrücken
sollen. Dabei geht ihnen die Luft aus. Aber das ist nur ein kleiner
Wehmutstropfen in einem faszinierenden Film.
Bildqualität
Wie man es bei einem computeranimierten Film erwarten kann, ist die Bildqualität exzellent. Blitzsauber erstrahlen die Farben in ihrer nuancierten Brauntonpalette, alles ist gestochen scharf. Der Kontrast ist ausgezeichnet und Rauschen sucht man vergeblich.Tonqualität
Auch
der Ton bietet über die beiden 5.1-Spuren ein gutes räumliches
Erlebnis. Immer wieder darf der Subwoofer seine Arbeit verreichten,
erklingen Geräusche oder Musik aus den hinteren Boxen. Dabei
bleiben die Dialoge klar und verständlich. Ein bisschen schade
ist es, dass die französische Tonspur nicht auf der DVD enthalten
ist. Die englische Spur bietet zwar die hierzulande bekannteren Sprecher
und kann bei diesem Animationsfilm ebenfalls als original durchgehen,
aber die französische Spur wäre auch hübsch gewesen.
Extras
Das etwa 15minütige Making Of bietet ein paar nette Informationen über die Projektentwicklung, die technische Umsetzung sowie die Vision der Macher. Der Trailer und eine Bildergalerie rundet die DVD ab.Fazit
"Kaena" verbindet eine aufgeklärt kritische Haltung mit einer Sehnsucht nach Utopien, die durchaus spirituell genährt sein dürfen. In der geschickten Zusammenfügung beider Elemente liegt die Kraft des Films, der einen visionären Atem besitzt. Technisch ist die DVD ausgezeichnet.Stefan Dabrock
| Originaltitel | Kaena (Frankreich/Kanada 2003) |
| Länge | 87 Minuten (Pal) |
| Studio | mcone |
| Regie | Chris Delaporte, Pascal Pinon |
| Darsteller | Kirsten Dunst, Richard Harris, Anjelica Houston, u.a. |
| Format | 1:1,85 (16:9) |
| Ton | DD 5.1 Deutsch, Englisch |
| Untertitel | Deutsch |
| Extras | Making Of, u.m. |
| Preis | ca. 17 EUR |
| Bewertung | gut, technisch ausgezeichnet |