Die Welt der freiberuflichen TV-Sensationsreporter, die mit einer
Kamera ausgestattet den Polizeifunk abhören, um jede spektakuläre
Verfolgungsjagd zwischen Polizei und Kriminellen oder andere Verbrechen
zu filmen, bietet die beste Gelegenheit, kaputte Existenzen darzustellen.
Die Hauptfigur des Horrorfilms "The Ghouls" ist so eine
kaputte Existenz. Im gleichen Maße, wie ihn das Leid anderer
Menschen ernährt, indem er sie als Täter oder Opfer filmt
und das Material an private Fernsehsender verkauft, ist sein eigenes
Leben ein emotionaler Torso. Seine private Beziehung ist völlig
am Ende, die Alkoholzufuhr in einer schäbigen Bar am Ende der
Arbeitstage gehört zu den absoluten Höhepunkten im Leben
des Sensationsreporters. Eines Nachts beobachtet er, wie merkwürdige
Gestalten im Dunkel einer Seitenstrasse eine Frau mit bloßen
Händen und Zähnen auseinander reißen, um sie zu
essen. Die kanibalistischen Ghouls kommen aus der Kanalisation.
Ihr Ziel ist es, Menschen zu essen. Der Sensationsreporter begibt
sich mit einem Kollegen in den Untergrund, um der Sache nachzugehen.
Die Welt innerhalb des Films "The Ghouls" ist durch einen
erbarmungslosen Raubtierkapitalismus geprägt. Die blanke Geld-
und Sensationsgier treibt Leute wie den im Zentrum stehenden TV-Sensationsreporter
dazu, aus dem Elend anderer Menschen sein Einkommen zu bestreiten.
Wobei die Kaste der herumfahrenden Kameraschwenker relativ weit
unten in der Nahrungskette angesiedelt ist. Die wahren Kapitalisten
sind die Betreiber der privaten Fernsehstationen. Innerhalb einer
solchen Gesellschaftsbeschreibung funktionieren die Ghouls als allegorische
Figuren. Ihr direkter Kannibalismus ist lediglich die konsequente
Umsetzung dessen, was mit anderen Mitteln ohnehin
das Überleben der Menschen prägt. Da die Opfer der Ghouls
im wesentlichen gesellschaftliche Außenseiter wie Prostituiere
oder Obdachlose sind, ist der bitterböse Ansatz des Films so
klar wie einfach. In unserer aktuellen Zeit leben die Wohlhabenden
auf Kosten der unteren Schichten. Natürlich ist eine solche
Allegorie recht hübsch, aber sie nützt sehr wenig, wenn
die Umsetzung nicht stimmt. Die Hauptfigur ist nicht nur kein Sympathieträger,
ihre Rolle wird auch nicht in die dramaturgische Konstruktion der
Allegorie eingebunden. Seine private Misere ist überdeutlich,
seine Funktion als Sensationsreporter entkoppelt sich aber vollständig
vom kritischen Ansatz, sobald er die Ghouls entdeckt hat. Irgendwie
wird er plötzlich zu einer Art Held, ohne das er oder der Film
sein bisheriges Leben in Bezug auf die schaurige Entdeckung hinterfragt.
Er ändert sich nicht, dient aber plötzlich als Chronist
des Unfassbaren, als Ankläger der widerlichem Zustände.
Wenn man das einen eklatanten Widerspruch nennen würde, wäre
es noch eine gründliche Untertreibung. Die Grundhaltung des
Films wird dadurch völlig unglaubwürdig und läuft
ins Leere.
Bildqualität
Laut imdb wurde der Film im Format 1:1,66 gedreht. Natürlich sind dieTonqualität
Der Stereo-Ton bietet zwar ein generelles Hintergrundrauschen, kann sich aber durch die klare Verständlichkeit der verzerrungsfreien Dialoge in solide Regionen bewegen. Insgesamt erweist er sich als zweckmäßig. Wer es unbedingt möchte kann sich auch einen deutschen 5.1-Upmix anhören.Extras
Das Bonusmaterial besteht aus einer Bildergalerie sowie Trailer- und Teasermaterial.Fazit
"The Ghouls - Cannibal Dead" stellt mit einem TV-Sensationsreporter einen Menschen ins Zentrum seiner antikapitalistischen Allegorie, der selbst Teil des Problems ist. Dabei wird seine Rolle ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr in die kritische Betrachtung miteinbezogen. Dadurch wird der Film so widersprüchlich wie belanglos. Technisch ist die DVD schwach. Da der Film zusätzlich um etwa sieben Minuten geschnitten ist, gehört die DVD ins Reich der vergessenen Silberlinge.Stefan Dabrock
Originaltitel | The Ghouls - Cannibal Dead (USA 2003) |
Länge | 75 Minuten (Pal) |
Studio | epiX |
Regie | Chad Ferrin |
Darsteller | Timothy Muskatell, Tina Birchfield, James Gunn, u.a. |
Format | 1:1,33 |
Ton | DD 5.1 Deutsch, DD 2.0 Deutsch, Englisch |
Untertitel | Deutsch, Englisch |
Extras | Bildergalerie, Trailer, Teaser |
Preis | ca. 20 EUR |
Bewertung | belanglos, technisch schwach |