Takashi
Ishii ist sicherlich unverdächtig, sommerliches Feelgood-Kino
im tuffigen Komödienformat zu machen, aber die Düsternis
seiner beiden Black-Angel-Filme überrascht selbst, wenn man "Gonin",
"Gonin 2" oder "Freeze me" gesehen hat. Vor allem
der 1997 entstandene "Black Angel 1" gibt endgültig
jegliche Kompromissfähigkeit auf. Im Zentrum steht eine Frau
namens Ikko, die als Kind eines Yakuza-Bosses und einer unbekannten
Mutter geboren wurde. Als das Mädchen ein paar Jahre alt ist,
beschließt ihre ältere Stiefschwester, mit einem Verbündeten
den Boss zu töten, um das Gangsterimperium unter ihre Kontrolle
zu bringen. Ikko wird rechtzeitig durch einen Leibwächter in
Sicherheit gebracht, der die Profikillerin Angel beauftragt, Ikko
nach Amerika zu bringen. Angel setzt Ikko in ein Flugzeug nach Los
Angeles. Im Alter von ungefähr 20 Jahren kommt Ikko als Black
Angel zurück. Gemeinsam mit einem Freund identifiziert sie auf
einem alten Foto die Hintermänner des damaligen Blutbads und
beginnt ihre Rachetour, die jedoch alles andere als reibungslos verläuft.
"Black
Angel 1" ist nihilistisches Kino in Reinkultur, das Hoffnung
aus allem ausgetrieben hat, was auf der Leinwand zu sehen ist. Überall
lauert Gewalt in Form von Schusswechseln, Folterungen oder anderen
Niederträchtigkeiten. Die Kunst Ishiis ist seine stilisierte
Inszenierung, welche dem bitteren Reigen trotz seiner Kälte Emotionen
abringt. Die verkrüppelten Figuren vermitteln die Tragik zu ewiger
Düsternis verdammter Menschen. Wenn Ikko an einer Stelle fragt,
warum sie in diese Hölle hineingeboren wurde, dann ist das eine
erschütternde Anklage, die berührt.
Demgegenüber
schlägt "Black Angel 2" etwas leichter verdauliche
Töne an. Die einzige Verbindung zwischen den beiden Filmen,
ist die Profikillerin, welche Ikko in das Flugzeug nach Amerika
gesetzt hat. "Black Angel 2" erzählt ihre Geschichte.
Die Killerin wurde vor einigen Jahren fast vergewaltigt. Ein unbekannter
Helfer schlug die Vergewaltiger in die Flucht, tötete dabei
einen von Ihnen und wurde zu Gefängnis verurteilt. Darauf fühlte
sich die Killerin schuldig und flüchtete sich ins Geschäft
der Auftragsmorde. Während eines Jobs erkennt sie in einem
der Leibwächter des Gangsters, den sie töten soll, ihren
Retter von damals. Während sie noch zögert tauchen plötzlich
zwei andere Mörder auf, welche ebenfalls den Gangster umbringen
wollen. Im Durcheinander trifft eine Kugel einen Unbeteiligten,
der daraufhin stirbt. Seine Frau kann entkommen, steht jedoch fortan
auf der Abschussliste der Gangster, die eine Zeugin des Geschehens
loswerden wollen. Auch die Killerin sucht nach der Frau, so dass
sich alle Parteien wieder über den Weg laufen, um ihre Konflikte
auszutragen.
"Black
Angel 2" besitzt wie sein Vorgänger immer noch eine düstere
Grundhaltung, ist aber weniger finster inszeniert. Vor allem die
Hauptfigur zeigt deutlich menschlichere Züge, als die Beteiligten
in "Black Angel 1". Bitter ist allerdings, dass man als
Zuschauer bereits weiß, was aus ihr in "Black Angel 1"
noch werden wird - der Film spielt in seiner Haupthandlung später.
Dennoch gelingt es Ishii im zweiten Teil der Serie, die Emotionen
mit weniger Kälte zu konfrontieren. Darüber hinaus legt
er mehr wert auf ein klassische Action-Insznierung, die den Film
über die Kinetik des Geschehens in leichtere Gefilde transportiert.
Zusammengenommen sind die Black-Angel-Filme ein düsteres Epos
aus Rache, Blut und Dunkelheit, dessen emotionale Wucht beeindruckt.
Bildqualität
Das
Bild hat leider seine Schwächen, die für beide DVDs etwa
gleichermaßen gelten. Während Verschmutzungen und Bildpunkte
im Rahmen asiatischer Produktionen liegen, deren Master leider fast
nie mit aktuellen europäischen oder amerikanischen Produktionen
mithalten können, wurde die recht gute Bildschärfe mit dem
starken Einsatz von Rauschfiltern erkauft. Das führt zu Treppenbildung
und Flimmern bei Konturen, Nachzieheffekten sowie stehenden Rauschmustern.
Demgegenüber sind der Schwarzwert und der Kontrast sehr gut.
Tonqualität
Auch der Ton siedelt sich bei beiden DVDs in ähnlichen Regionen an. Der deutsche 5.1.-Ton vermag gegenüber dem japanischen 2.0-Ton auch keine besonders deutliche räumliche Kulisse zu entfalten. Bei beiden Spuren sind die Dialoge klar und verständlich, eine besondere Wucht entfalten sie leider nicht.Extras
Beide
DVDs enthalten einen Trailer, einen Storyboard-Film-Vergleich und
ein Interview mit Takashi Ishii. Das Interview bei "Black Angel
1" hat eine stattliche Länge von 45 Minuten. Darin geht
es um die Entstehungsgeschichte des Films, die Beziehung zwischen
dem Film und Ishiis Tätigkeit als Comiczeichner sowie um den
Inszenierungsstil als Mittel für die Figurenzeichnung. Ishii
selbst erweist sich als durchaus nachdenklicher Mensch, der seinen
oft kritisierten Gewalteinsatz in seinen Filmen detailliert überdenkt,
um ihn aus der Erzählung heraus zu motivieren und nicht als Selbstzweck
zu verwenden.Fazit
Takashi Ishii hat mit seinen beiden Black-Angel-Filmen ein unnachahmlich düsteres Werk um Rache und menschliche Beziehungen geschaffen. Während die technische Qualität der DVD mit der Qualität der Filme nicht mithalten kann, ist das Bonus-Material zwar nicht übermäßig reichhaltig, aber dafür sehr gut.Stefan Dabrock
| Originaltitel | Kuro no tenshi Vol.1 (Japan 1997) / Kuro no tenshi Vol.2 (Japan 1998) |
| Länge | 107 Minuten / 105 Minuten (Pal) |
| Studio | i-on new media im Vertrieb der Splendid |
| Regie | Takashi Ishii |
| Darsteller | Riona Hazuki, Reiko Takashima, Jinpachi Nezu, u.a. / Yuki Amami, Takeshi Yamato, Reiko Kataoka, u.a. |
| Format | 1:1,78 (16:9) |
| Ton | DD 5.1 Deutsch, DD 2.0 Japanisch |
| Untertitel | Deutsch |
| Extras | Storyboard, Interview, u.m. |
| Preis | je ca. 20 EUR |
| Bewertung | Film sehr gut, technisch mittelmäßig |