Nach langjähriger Tätigkeit als Werbefilmregisseur legt der Argentinier Esteban Sapir seinen zweiten Langfilm „La Antena“ vor, mit dem sich an einer bildgewaltigen Hommage und Weiterentwicklung des Stummfilms der 20er Jahre versucht. Ort der Handlung ist ein namenloser Stadtmoloch, deren Bewohner keine Stimme mehr haben. Der mächtige Mr. TV hat das wichtigste Kommunikationsmittel der Menschen geraubt, um seine diktatorische Herrschaft zu festigen. Das Fernsehen dient als Nahrungsmittel für die Massen, die durch den gezielten Einsatz des Mediums ruhig gestellt werden sollen. Nur eine Sängerin ohne Gesicht und ihr blinder Sohn besitzen die Stimme noch. Während die Frau mit dem Künstlernamen La Voz als Attraktion auftritt, achtet sie darauf, dass ihr Sohn das Geheimnis der Stimme für sich behält, da ihm sonst Gefahr drohen könnte. Für seinen nächsten Plan zur Festigung der Diktatur benötigt Mr. TV La Voz. Er möchte den Menschen auch noch die Wörter stehlen. Ein entlassener Angestellter des Mr.-TV-Imperiums erkennt die Machenschaften seines ehemaligen Chefs und versucht mit ein paar Getreuen, das Vorhaben zu verhindern. Eine alte Sendeanlage in den Bergen soll der Schlüssel sein, um Mr. TV in die Schranken zu weisen.
Vordergründig besitzt „La Antena“ eine wunderschöne Schwarzweiß-Optik, welche die Stadt zunächst auf eindrucksvolle Art und Weise in Szene zu setzten scheint. Mit zunehmender Dauer fällt allerdings auf, dass der Film weit hinter seinen Vorbildern zurück bleibt, da es ihm nicht gelingt die Bedrohung der Diktatur in eine expressive Bildsprache zu übersetzen. Der liebevolle Umgang mit Green-Screen-Aufnahmen, Schaum als Schneeersatz oder die Eingangssequenz, in der sich die Stadt aus einem Buch als Pappkulisse auffaltet, sind hübsche, aber völlig harmlose visuelle Mittel. An keiner Stelle wird die faschistische Unterdrückung bildlich spürbar. Da nützt es auch nichts gegen Ende Hakenkreuz und Davidsstern als Symbole aufzufahren. Sie erscheinen nur als entwertete, oberflächliche Assoziationsstrategie, welche sich auf keine entsprechend inhaltlich inszenierte Grundlage stützen kann. Es lässt sich eben nur Erahnen, was Esteban Sapir im Sinn gehabt hat, zu sehen ist es leider nicht. Damit gibt er dem Medium Film eine schallende Ohrfeige, die umso schmerzhafter ausfällt, als der Film durch seine Schwarzweiß-Optik und andere visuelle Ideen vorgibt, gerade ein Augenschmaus zu sein. Allein die Zutaten ergänzen sich nicht. Das setzt sich bei der Umsetzung der Ausgangssituation fort. Vor dem Hintergrund, dass die Menschen keine Stimmen mehr haben, stellt sich natürlich die Frage, wie sie kommunizieren. Eine eindeutige Antwort hat „La Antena“ nicht parat, denn die Leute reden sichtbar miteinander, wenn sie ihren Mund bewegen. Eine etwas abstruse, aber zunächst haltbare Erklärung wäre, dass sich alle zu Lippenlesern entwickelt haben. Ein Telefongespräch, das zudem eine zentrale dramaturgische Bedeutung hat, beendet jedoch die Illusion, der Film wäre an dieser Stelle durchdacht. Die Art und Weise wie Sapir mit der Ausgangssituation der Geschichte umgeht, ist nicht nur ein Flucht vor der Notwendigkeit, sich eine visuelle Kommunikation auszudenken, die auch der Zuschauer versteht, sie ist auch sonst mehr als eine Kleinigkeit. Die Unklarheit über die Kommunikationsmethode der Menschen sorgt für eine Unklarheit in der Frage, wann die Menschen Gefahr laufen, durch die Schergen der Diktatur bei ihren umstürzlerischen Plänen entdeckt zu werden. So kann sich keine Spannung aufbauen, da formale Umsetzung und Inhalt der Geschichte auseinander laufen. „La Antena“ ist deswegen nur die seltsame Ausstellung verschiedener Ideen, die andeuten, was möglich wäre. Aber das Wissen darum, was für ein großartiger Film in „La Antena“ schlummert ist wahrlich kein Trost.
Bildqualität
Die Bildqualität der DVD ist sehr gut. Körnige Bilder oder leichte Unschärfen an manchen Stellen sind entweder Teil des visuellen Konzeptes im Sinne der Stummfilm-Hommage oder Ergebnis der Produktionsumstände. Der DVD kann hier kein Vorwurf gemacht werden. Analoge Defekte gibt es nur ganz selten, das gleiche gilt für digitale Rauschmuster. Insofern entfaltet sich die Schwarzweiß-Szenerie im Sinne der Filmemacher.Tonqualität
Der Ton besteht im wesentlichen aus der sehr schönen Filmmusik, die in allen Varianten mit der gebotenen Dynamik aus den Lautsprechern erklingt. Vielleicht hätte die Musik teilweise etwas stärker auch auf die hinteren Boxen gelegt werden können, eine echte schwäche ist das aber nicht. Störende Rauschen tritt ohnehin nicht auf.Extras
Auf einer Audio-CD liegt der wirklich sehr schöne Filmsoundtrack der DVD bei. Das Making Of (etwa 25 Minuten) liefert mit seiner Mischung aus Interviews, B-Roll-Material und Filmausschnitten zwar weitgehend Werbebotschaften, ein paar interessante Information kommen aber zwischendurch immer wieder zum Vorschein. So sind die Schneeflocken, die wie Federn aussehen, beispielsweise nicht durch herab rieselnde Federn entstanden, sondernFazit
„La Antena“ findet zwar sehr viel Form, aber keine geeignete, um auch den Inhalt der Geschichte zu erzählen, die eine Art Medienfaschismus zum Inhalt hat. Die Hommage und Weiterentwicklung des Stummfilms der 20er Jahre scheitert aus diesem Grund leider an mangelnder Stringenz. Technisch ist die DVD sehr gut, das Bonusmaterial überzeugt vor allem durch den beiliegende Soundtrack. Fans des Films können hier folglich bedenkenlos zugreifen.Stefan Dabrock
Originaltitel | La Antena (Argentinien 2007) |
Länge | 99 Minuten (Pal) |
Studio | Capelight |
Regie | Esteban Sapir |
Darsteller | Valeria Bertuccelli, Alejandro Urdapilleta, Julieta Cardinali, u.a. |
Format | 1:2,16 (16:9) |
Ton | DTS Deutsch, DD 5.1 Deutsch, Spanisch |
Untertitel | Deutsch |
Extras | Soundtrack, Making Of, Trailer, u.m. |
Preis | ca. 19 EUR |
Bewertung | gescheitert, technisch sehr gut |